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Autoren: MeerUndMehr; Registrierte Leser: 0; Hinweise: FSK Nicht angegeben  Zuletzt aktualisiert: 01.03.2015

Sie würgte. Flüssiger, durchsichtiger Schleim platschte in die Kloschüssel. Sie würgte noch einmal. Dann konnte sie nicht mehr und sank gegen die Badezimmerwand. Ihr Kopf dröhnte, als würden Fäuste auf ihn einschlagen. Ihre Nase lief und der Rotz vermischte sich mit den Tränen, die ihr die Wangen hinunterrollten. Sie schniefte und zog ihre Nase hoch. Die Tränen liefen weiter. Langsam zog sie ihre Beine an ihren Körper und drückte sie mit ihren Armen an sich. Jäh zuckte sie zusammen. Schmerzen durchfuhren ihren Leib und sie ließ einen unterdrückten Schrei los, der in einem Glucksen entwich. Sie weinte und versuchte es gleichzeitig zu unterdrücken. Sie konnte nicht richtig denken. Nur eins: Sie musste alles loswerden. Ihre Hände tasteten sich langsam zum Boden hin und drückten sich, als sie ihn sicher unter sich wussten, von ihm ab. Sie stand vorsichtig auf und ging zitternd den kurzen Weg zur Dusche. Sie schlüpfte aus ihren übriggebliebenen, zerissenen Klamotten und stieg behutsam, um nirgendwo auf dem glatten Boden auszurutschen, in die Dusche. Sie stellte das heiße Wasser an und schloss die Augen, während warme Tropfen in einem breiten Strahl an ihrem Gesicht und ihrem geschundenen Körper hinunterliefen. Sie ließ sich vorsichtig an der Wand hinuntergleiten, bis sie glatte Fliesen unter sich spürte. Sie lehnte ihren Kopf an. Das Plätschern des Wassers und seine wohlige Wärme ließen sie ruhiger werden. Ihr Körper entspannte sich und sie konnte wieder klare Gedanken fassen. Doch mit diesen Gedanken kam auch die grauenhafte Erinnerung zurück. Sie stürzte sich auf sie, wie ein hungriger Tiger und fraß sie fast vollständig auf. Man konnte es wegen des Wassers nicht sehen, doch liefen ihr weiterhin Tränen aus den Augen. Tränen, die diese Erinnerung wegzuspülen versuchten, eine Erinnerung, die sich fest in ihr Bewusstsein gesetzt hatte und nicht mehr wegzukriegen war, wie ein Parasit, der sich eingenistet hatte. Blut floss den Abfluss hinunter.

Er war spät nach Hause gekommen. Betrunken natürlich. Der Stress in der Firma zermürbte ihn und er sah keinen anderen Ausweg, als seinen Kummer in Whisky zu ertränken. Dass die Beförderung ein anderer gekriegt hatte, konnte er nicht verkraften. Er hatte so lang und hart dafür gearbeitet und sie wirklich verdient. Und nun hatte sie der zehn Jahre jüngere Kollege bekommen, der obendrein erst seit kurzem in der Firma arbeitete. Er hatte sich jedoch nichts anmerken lassen. Seine Gefühle konnte man sowieso selten in seinem Gesicht ablesen. Wut und Ärger machten sich nur durch ein kleines Zucken an seinem linken Auge bemerkbar und außer ihr erkannte niemand dieses Anzeichen. Als er endlich polternd um 2 Uhr nachts die Tür aufschloss, wartete sie bereits seit acht Stunden auf seine Rückkehr. Sie trug Leggings und ihren weiten Lieblingspullover, der einmal blau gewesen sein musste, jedoch nach etlichen, nicht mehr zählbaren Wäschen seine Farbe eingebüßt hatte und nur noch Spuren am Halsausschnitt sie erahnen ließen. Er stank erbärmlich nach Alkohol und fiel fast vornüber in die Wohnung, so betrunken war er. Die Schläge waren nicht das Schlimmste, das Schlimmste war sein Geruch. Sie würgte und er prügelte.Er prügelte sich die Gefühle aus der Seele. Die Gefühle, nichts in seinem Leben geleistet zu haben, niemals etwas zu erreichen, die Wut, die er von sich auf sie übertrug. Der Ärger über sein Versagen verwandelte sich in Vorwürfe, die er ihr machte. Damit rechtfertigte er sein Verhalten, seine Schläge. Nachdem er sich abreagiert hatte, zwang er sie, ihn zu küssen und mit ihm zu schlafen. In diesem Stadium hatte bei ihr schon die Resignation eingesetzt, sie fühlte die Schmerzen immer erst hinterher, wenn er sich ins Schlafzimmer verzogen hatte, um seinen Rausch auszuschlafen. Das Badezimmer war ihr Zufluchtsort geworden.



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