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Über Le baiser du vampire (Selbst ausgedacht-Fanfiction; Fantasy, Romantik):
Unsterblichkeit ist eine begehrte Eigenschaft, besonders für Menschen. Viele wollen sich gerade deshalb, nur um an diese Eigenschaft und gewisse Macht zu erlangen, zum Vampir werden. Eine Begierde, welche nicht jeder Person erfüllt wird. Und wer zu einem Vampir wurde, der sollte sich doch glücklich schätzen können, oder? Eine Menge schon, nur nicht Christelle Lefort. Diese Vampirin hasst ihre Unsterblichkeit, wie auch das Leben eines Blutsaugers. Mit Mord- und Rachegedanken gegen ihren Meister, durchstreift sie die Straßen Houstons oder arbeitet in einer Bar, um Beute zu machen. Dabei traf sie eine bestimmte Person...
Autoren: La rose noire; Kapitel: 3 KapitelRegistrierte Leser: 0; Hinweise: FSK 18  Mum-fsk-gewalt.png Mum-fsk-vulgärsprache.png Zuletzt aktualisiert: 02.02.2015

Kapitel Zwei

Belle Rose


Das Belle Rose ist eines der Lokale, welche unter Acels Namen laufen. Wie alle anderen von Acel, war dies ein Luxuskomplex und sehr beliebt und gut besucht. Hier gab es nur das Feinste vom Feinsten, alles ausgewählte Dinge, ausgesucht vom Besitzer und von paar auserlesenen Mitarbeitern, welche für ihn das Geschäft führen. Dies waren zumeist Vampire, wobei darunter auch immer ein Mensch war, welcher die Dinge erledigte und organisierte, welche meine Art bei Tageslicht nicht tun konnte.

Diese Menschen arbeiteten freiwillig für den Blutsauger, weil er diese mit Versprechungen lockte. Versprechungen von einem angenehmen, extravaganten oder abgesicherten Leben. Versprechungen von einer Verwandlung. Versprechungen von der Unsterblichkeit. Aus meiner Sicht war alles töricht, was diese Menschen wollten. Ein abgesichertes Leben kann ich ja noch verstehen, wo man sich keine Sorgen mehr machen musste, über seine Existenz und Lebensgrundlage, aber das Verlangen verwandelt zu werden und zur Unsterblichkeit zu gelangen, das konnte ich schon nicht mehr verstehen.

Ich besaß diese begehrte Eigenschaft, aber ich hasste sie. Abgrundtief. Sehr oft fühlte ich mich, schrecklich, ich litt daran. Sterben wollte ich und mich zu Benoit gesellen, ihn wiedersehen. Gott, wie ich ihn vermisste. So sehr wollte ich zu ihm, dort, wo auch immer er nun nach seinem Tod auch verweilte.

Wenn man unsterblich war, konnte man schlecht an Altersschwäche sterben, schade eigentlich. Es gab nur noch lediglich zwei Optionen: Entweder wurde man getötet oder man beging Selbstmord.

Trotz zu meiner Sehnsucht nach Benoit Lefort, meinen Bruder, reichte es noch nicht, mich in den Selbstmord zu treiben. Lieber wollte ich ermordet und getötet werden, anstatt Selbstmord zu begehen und in Schande zu sterben. Meinen Stolz und meinen Ego besaß ich noch, noch würde ich nicht aufgeben, irgendwie würde ich es schon noch schaffen meine Vergeltung zu bekommen und Acel umbringen. Hoffte ich zumindest. Außerdem wollte ich den Familiennamen nicht in den Schmutz ziehen. Dies tat ich nicht für meine Eltern, sondern nur für meinen kleinen Bruder, ihm hatte viel an dem Namen gelegen. Zwar würde es keinem menschlichen Idioten interessieren, wenn ich mein Leben beenden würde, dafür umso mehr die Vampire.

Diese legten nämlich in ihrer Kultur sehr viel Wert auf die Reinheit eines Namens, besonders die gebürtigen Vampire. Bei erschaffenen ist es zwar nicht ganz so wichtig, wie in der ersten Kaste dieser Rasse, aber man sollte es besser nicht so weit kommen lassen, dass der Name nur so vor Schande triefte. Denn passierte dies einmal, stand man in deren Augen als unwürdig – unwürdiger als es schon möglich wäre – dar und sollte es Nachkommen geben, dann würden diese es zu spüren bekommen. Sie würden den Spott und die Schmach hören müssen und würden aus deren Reihen verstoßen werden, hinunter in die vierte Kaste, die Kaste der ausgestoßen und besudelten Vampire. Ab da hätten sie keine Recht mehr und man könnte mit ihnen machen was man wollte, ohne Konsequenzen.

Oui, ob man es glauben mag oder nicht, wir Vampire lebten in einer Gesellschaft mit Regeln, Gesetzen und Verpflichtungen. Auch wenn diese verkorkst waren, besonders durch die Kasten. Das gesamte Konzept bestand aus vier Kasten. Die oberste Kaste belegten die reinblütigen Vampire, von denen es nur noch sehr wenige gab. Man könnte sagen, eine aussterbende Art unter der eigenen Rasse. Weil nur noch sehr wenige von ihnen existierten, lebten sie meist unter sich und vermieden größten Teils den Kontakt zu den anderen Kasten, um die Blutlinie „rein“ zu halten. Anders gesagt: Sie wollten vorbeugen, dass sich eventuell sich einer ihrer Kaste, in eine andere Person aus einer niedrigeren Kaste verliebte und sich vielleicht mit ihnen verband. Das Risiko war für sie zu groß. Denn um die Art zu erhalten, heirateten und paarten sie sich nur untereinander, damit es keine „Verunreinigungen“ im Blut gab.

Ach, bevor ich es vergesse: Diese zimperlichen Vampire sind obendrein auch noch das Oberhaupt der Rasse und kontrollierten alles von sich aus. Sie erlassen Gesetze, verhängten Strafen, entzogen Familiennamen und die Ehre von Vampiren, wie es ihnen beliebte.

Die zweite Kaste bestand aus den gebürtigen Vampiren, welche sich wie die reinen Vampire sich nur, oder fast ausschließlich, untereinander fortpflanzten. Jedoch gab es ab und zu ausnahmen und sie sind nicht so zimperlich und pingelig wie die Wesen in der ersten Kaste. Diese gehen diese Angelegenheit eher lockerer an. Zwar ist vielen eine gewisse Reinheit im Blute wichtig, aber es gibt die einen oder anderen, die sich aus Liebe, doch mit einer Person aus einer niedrigeren Kaste binden, auch, wenn sie oftmals auf viele Proteste der Konservativen treffen. In diesem Teil der Hierarchie gehörte auch Acel de Durand, mein Meister.

Nun kommen wir zu meinem Platz in der Rangordnung: Die dritte Kaste.

Diese bestand fast ausschließlich aus erschaffenen Vampire, ein paar Ausnahmen gab es dennoch. Ab und zu kam es vor, dass sich ein erschaffenes Wesen der Nacht, sich mit einem gebürtigen fortpflanzte und daraus entstand ein Mischling. Diese Nachkommen blieben meistens in der Kaste, in der sie hineingeboren wurden und zwar mütterlicherseits. Sollte der Vater dennoch eins darüber stehen, so konnte er das Kind, und eventuell die Mutter, zu einer Kaste nach oben befördern. Jedoch geschah dies sehr selten, weil das mit der ersten geregelt werden musste. Keine einfache Sache.

Vampire dieser vorletzten Kaste waren alle Untergebene des Vampirs, der sie erschaffen hatte. Für ihre Meister arbeiteten sie in vielen verschiedenen Bereichen. Von Verwaltung eines Konzerns, als Haushälter oder Haushälterin oder manchmal sogar als Kurtisane. Einfach für alles mögliche.

Ich zum Beispiel arbeitete in der Belle Rose als Bardame. Dort beobachtete ich die Leute, verschaffte unauffällig Informationen oder ich suchte mir dort meine Beute für ein kleines Abendmahl. Doch vor allem arbeitete ich, weil mir dies Spaß machte und es eine sehr schöne Gelegenheit war von Acel wegzukommen.

Wer in der niedrigsten Kaste war, der vierten, hatte Nichts zu lachen. Wer dort landete, sei es verstoßene Vampire oder Vampire, welche hineingeboren wurden, war am Arsch. Sie hatten keine Rechte mehr und sind der Schandfleck ihrer Art. Dort waren gebürtige, als auch erschaffene Wesen, aus den unterschiedlichsten Gründen. Zumeist waren diese aber verstoßen und ihrer Ehre beraubt worden, sei es vom Meister, der Familie oder sogar von den Idioten auf den hohen Rössern.

Würde ich jemals in diese Kaste rutschen, dann würde ich mir definitiv das Leben nehmen. Egal auf die Schande, wenn ich schon dort war, kann ein Selbstmord die Sache auch nicht mehr verschlimmern.


Ich stieg über die Schwelle des Hochhauses und betrat das Gebäude. Das Foyer war elegant und mit teuren, exquisiten Möbeln, also Sessel, Sofas und Tischchen ausgestattet. Der Boden war mit einem roten, gepflegten Teppich bedeckt und die Wände in einer angenehmen hellen Farbe gehalten. In der Mitte des Raumes hing ein kleiner Kronleuchter und verteilte sein Licht im Raum. Ein Laie würde das alles königlich nennen, ich hatte aber schon mehr Prunk und Verschwendung gesehen, weshalb das noch wenig und billig aussah. Dennoch war das noch eine Wohltat für das Auge.

Am Aufzug angekommen, drückte ich den Knopf für nach oben und wartete auf meine Mitfahrgelegenheit. Über den Türen war eine Anzeige, welche anzeigte, auf welcher Etage gerade der Aufzug war. Zur Zeit war er im fünfzehnten Stock, könnte also noch kurz dauern. Na toll, ich doch eh schon fast zu spät. Wie immer, wenn man es eilig hat, dauert irgendetwas ewig. Als hätte man „Hat es eilig!“ stehen und alle verschwören sich gegen einen. Typisch!

Ungeduldig tippte ich mit der Spitze meines rechten Schuhs unablässig auf den Boden. Das rhythmische Geräusch war in der leisen Atmosphäre des Foyers gut zu vernehmen. Doch sobald die Tür des Aufzugs aufging und ein älterer Mann mit einem grauen, teuer aussehenden Anzug den kleinen Raum verließ, ging ich sofort hinein und drückte die Taste für den zwanzigsten Stock. Dort war das Lokal.

Während der Fahrt nach oben schaute ich immer wieder zur Decke und begann wieder mit meinem Tick, den, bei dem ich immer wieder mit meiner Schuhspitze auf den Boden tippte. Zu meinem Leidwesen stiegen in der einen oder anderen Etage immer wieder Leute ein und aus, so dass die Fahrt für mich eine gefühlte Ewigkeit dauerte. Das machte Fortuna doch mit Absicht!

Als ich endlich die zwanzigste Etage erreicht hatte – war die Schicksalsgöttin mir gegenüber doch mal gnädig? -, beeilte ich mich und durchschritt die offene Eingangstüre des Lokals, welche aus massiver, dunkler Eiche bestand und hübsch verziert war. Diese stieß ich auf und fand mich in einem großem, leicht dämmrigen Raum wieder, welcher von wohlklingender Klaviermusik erfüllt war. Hier und da saßen Personen Personen an einer großen, dunklen Theke. An ein paar kleinen Tischen saßen auch ein paar Leute, die im Raum verteilt standen. Auf jedem stand jeweils eine cremeweiße Kerze, auf dieser fröhlich eine kleine Flamme tanzte. Eine gemütliche und entspannte Atmosphäre herrschte hier. Deshalb war ich gerne hier, die Leute, der Ort und meine Kollegen. Eine schöne Abwechslung zu Acel.

Ich war gerade dabei hinter die Bar zu gehen und durch eine unauffällige Tür zu gehen, welche zum Pausenraum und Lager der Bar führte, als ich von einer tiefen Stimme langgezogen „begrüßt“ wurde: „Du bist drei Minuten zu spät.“

„Immer noch besser als nie“, erwiderte ich und drehte mich zu der Person um, welche hinter mir stand. Marco Webber, mein Chef und Leidensgenosse meiner Art. Leicht lächelte ich den schlaksigen, großen blonden Mann an und blickte in seine blau-grauen Augen. Dieser schüttelte nur seinen Kopf und seufzte leise. „Könnte sein... Bist du aufgehalten worden, Mistress Lefort?“

Ich überquerte die Türschwelle und hielt auf den Umkleideraum zu. „Oui, könnte man sagen, Monsieur Webber.“

„Erzähl es mir nachher.“

„Mach ich.“ Ich legte meine Sachen auf dem kleinen Hocker in der Umkleide ab und drehte mich zu Marco um. „Und nun beweg dich mal fixe hier raus, ich muss mich umziehen, dabei brauche ich keinen Zuschauer.“

Marco grinste leicht. „Sicher?“

„Oui, ganz sicher. Jetzt aber holla la fée de la forêt!“

„Yes, Miss.“ Mit einem gespielt ernsten Gesicht machte mein „Vorgesetzter“ eine übertriebene galante Verbeugung und verließ pfeifend die Kabine. Dieser Quatschkopf.

Marco Webber ist, wie schon erwähnt, mein Vorgesetzter, aber auch ein Kollege von mir. Er leitet das Lokal, sorgt für Ordnung und organisiert alles. Wie ich ist dieser Mann ein Vampir, wurde aber nicht von Acel verwandelt.

Dieser Vampir wurde Anfang des neunzehnten Jahrhunderts von einem Vampir namens Casimir Reaf verwandelt, gegen seinen Willen. Er wurde von ihm angefallen und schlägt sich mit der Unsterblichkeit herum wie ich. Er ist genauso gegen diese „Gabe“ wie ich und versteht mich daher ganz gut.

Sein Meister war ein grausamer Mann und äußerst unvorsichtig was Diskretion anging und verstoß ein Gesetz nach dem anderen, weshalb die hohen Tiere der Gesellschaft ihn Festnahmen, verurteilten und hinrichten ließen. Weil Marco somit seinen Meister verloren hatte, erklärte sich Acel bereit ihn aufzunehmen und gab ihm die Möglichkeit zu einem freien Leben, solange er für Acel arbeitete. Also kleine Aufträge erledigte und das Belle Rose schmiss, ansonsten konnte er frei über sich bestimmen.

Kaum war der blonde Strubbelkopf draußen, begann ich mich umzuziehen. Schnell schlüpfte ich aus meiner schwarzen Lederjacke, meiner bequemen Jeanshose, Halbstiefel und meinem weißen Top,schon stieg ich in meine Arbeitsklamotten: schlichte, weiße Bluse, schwarze Hose, schwarze Pumps mit einem niedrigen Absatz. Anschließend zog ich eine schwarze Weste über meine Bluse, löste meine Haare und steckte sie schnell zu einem Dutt hoch. Und fertig.

Rasch verließ ich den Raum und ging zu der Bar, um Benjamin Godfrey, ein Kollege, abzulösen. Ich begrüßte ihn mit einem Klaps auf der Schulter, welches er mit einem breiten Grinsen erwiderte und mir zu nickte, dann ging er. Na dann, ab an die Arbeit.

Gerade war nicht viel los, fünf Leute saßen an der Bar und zirka zehn weitere an den Tischen, aber im Laufe des Abends wird es sicherlich voller. Noch herrschte die Ruhe vor dem Sturm.

Gerade hatte ich die Bestellung für einen Negroni aufgenommen, kam Marilyn Evergreen, eine Kellnerin und gute Freundin von mir.

„Hello, Missy“, begrüßte sie mich mit einem freudestrahlenden Lächeln, aus ihrem blassen Gesicht mit den Sommersprossen auf der Nase. „Einmal ein Sex On The Beach und ein Mint Julep, please.“

„Geht klar, ma petite souris.“ Während ich mich daran machte die Cocktails zu mixen, lehnte sich die rothaarige Dame gegen den Tresen und schaute mir zu, wie ich mich an die Arbeit machte.

„Und, Mary, hat dein Freund die Knie-Operation gut überstanden?“, fragte ich, um das Schweigen zu durchbrechen.

„Yes. Aber er ist die ganze Zeit nur am Jammern.“ Mary seufzte. „Besonders, wenn sein Bein jeden Tag in ein Gerät gelegt wird, um es zu bewegen. Er macht mir den Titel der „Jammer-Königin“ streitig. Gott, er ist sogar schlimmer als ich es bin.“

Ich kicherte leise. „Echt? Aber bald wird es ja ein Ende haben, oder etwa nicht? Wann wird er entlassen?“

„Ich hoffe es, sonst werde ich noch wahnsinnig“, lachte meine Kollegin, ehe sie die Schultern zuckte. „Wissen sie noch nicht genau. Aber ungefähr fünf Tage bestimmt noch. Ihm musste die Kniescheibe ja unbedingt raus springen.“

„Oui, eine Frechheit ist das.“ Mit einem leichten Kopfschütteln stellte ich einem Gast an der Theke den Negroni auf seinem Platz und machte mich an Marys Bestellungen.

Für den Sex On The Beach gab ich Wodka, Pfirsichlikör, Cranberrysaft und Orangensaft mit Eiswürfeln in einen Shaker und mixte es kräftig durch. Anschließend gab ich die Mischung in ein Longdrinkglas mit Eis, gab ein Strohhalm dazu und verzierte es mit einer Scheibe Orange. Fertig. Das Getränk stellte ich vor Mary, welche es auf ihrem Tablett platzierte.

Minze, Puderzucker und Wasser gab ich in ein Glas und drückte es mit einem Stößel leicht und vorsichtig an, dann gab ich Crushed Ice bis zur Hälfte hinzu, rührte um und gab Bourbon Whiskey hinzu, um danach den Rest des Glas nochmal mit dem Eis zu füllen. Zum Schluss rührte ich solange herum, bis sich das Glas beschlug und dekorierte es mit einem Minzzweig und einem Strohhalm. Das war Nummer zwei. Lächelnd gab ich auch den Mint Julep meiner verrückten Freundin.

„Thank you!“, flötete diese mit ihrem Bostoner Akzent und machte sich gleich auf den Weg zu den Kunden mit einem sehr deutlichem Hüftschwung. Schmunzelnd schüttelte ich den Kopf.


Ich behielt recht mit meiner Annahme, dass die Bar weiter füllen würde. Belle Rose war ein beliebter Treffpunkt, sowohl bei Reichen, Geschäftsleute und selbst bei den Vampiren. Von daher war hier immer etwas los.

Die Zeit verging wie im Fluge, wie immer bei der Arbeit und wenn es mir Spaß machte. Schließlich hatte ich Feierabend. Schade eigentlich, es war mir immer eine Freude hier sein zu können, weshalb ich mich nie wirklich auf Dienstschluss freute. Weil dann müsste ich wieder nach „Hause“ zu Acel und darauf konnte ich eigentlich immer getrost verzichten. Aber was soll man machen?

Einfach nicht zurück kommen ging nicht. Er würde mich finden und er hatte genug Untergebene, welche mich aufspüren und zurückbringen könnten. Und an die Strafe wollte ich erst gar nicht denken. Non, lieber nicht.

Gerade hatte ich mich wieder umgezogen und wollte den Bereich fürs Personal verlassen, da wurde ich auch schon von Marco aufgehalten. „Christelle, kann ich dich mal kurz sprechen?“ Blinzelnd blieb ich stehen. „Oui, pourquoi pas?“

„Komm“, sagte Marco nur und lief auf eine Ledercouch an einer Wand zu und setzte sich, ich nahm neben ihn Platz.

„Also“, begann der blonde Mann, „morgen bekommen wir eine neue Arbeitskraft. Sie wird als Kellnerin arbeiten, aber ich würde sie gerne zur Baraushilfe ausbilden lassen. Hättest du etwas dagegen?“

„Non. Also soll ich die Ausbildung übernehmen?“

„Yes. Wen soll ich denn sonst nehmen? Keiner kann das so gut wie du, Sunshine.“ Er lächelte warm. „Machst du es?“

Mit einem nicken stimmte ich zu und grinste Marco breit an. „Wie heißt denn la dame?“

„Das junge Fräulein wirst du morgen schon kennenlernen.“

„Ich möchte aber jetzt schon wissen, wem ich meine Aufmerksamkeit schenke, Monsieur.“ Ich verschränkte leicht meine Arme und sah Marco an, mit einem fragenden und dennoch leicht amüsierten Blick.

Seufzend gab Marco nach. „Also gut. Unsere neue Kollegin heißt Valentina Goldnadel.“ „Valentina Goldnadel...“, murmelte ich und ließ mir den Namen leicht auf der Zunge ergehen. Interessiert lehnte ich mich nach vorne. „Der Name klingt ziemlich ausländisch, allein bei der Aussprache und die Schreibweise bestimmt auch.“

„Yes“, stimmte mir Marco zu und lehnte sich im Polster entspannt zurück. „Sie kommt aus Deutschland, zumindest laut ihrem Lebenslauf. Bestimmt mit jüdischen Vorfahren, bei dem Nachnamen.“

„Oui, könnte sein. Klingt irgendwie interessant. Aber sag mal...“, leise senkte ich meine Stimme, „weiß sie von unserer... Art?“

Marco schüttelte seinen blonden Kopf und zog eine Augenbraue nach oben. „Du machst dir sorgen, dass sie auch zu diesen Leuten gehört, die nur die Unsterblichkeit wollen, nicht wahr, Christelle?“

„Oui....“

„Gut, dann kann ich dich ja entwarnen, Miss. Soweit ich weiß, weiß sie nichts von der Existenz der Vampire. Und es wäre auch besser so.“

„Das stimmt. Hoffen wir mal das die Anderen nichts anstellen und somit uns verraten könnten.“ „Yes, da hast du recht“

Kurz breitete sich eine Stille über uns beiden aus, ehe Marco diese brach, in dem er kurz in seine Hände klatschte und geräuschvoll aufstand. „Also dann, ich muss mich noch an ein paar organisatorische Aufgaben erledigen, ehe es nach Hause geht. Goodbye, Mistress Lefort.“ Wie ein Gentleman nahm mein Freund meine Hand und hauchte einen Kuss auf meinen Handrücken, ehe er sich einmal kurz verbeugte und dann schnurstracks in sein Büro ging.

„Au revoir, Monsieur Webber“, rief ich ihn nur lächelnd nach. Dies ist schon fast eine Art Ritual bei uns. Oui, oui, noch ganz nach der alten Schule benahm er sich. Ist doch gar nicht so schlecht, anders als die anderen Männer heutzutage.

Eine Weile saß ich immer noch auf meinem Platz und dachte nach. Ich dachte nach über diese Valentina. Es war nicht schlecht, das sie nichts über uns wusste, aber was wäre, wenn sie doch etwas über uns Vampire erfahren würde? Würde sie Panik bekommen und uns melden? Würde sie ebenfalls zu diesen Verrückten gehören, welche nur auf die „Gabe“ der Vampire aus sind? Oder würde sie nichts sagen und so tun, als wäre nichts? Eins ist auf jedenfalls klar, die dritte Möglichkeit wird es wohl nicht sein, das ist vorauszusehen. Wer kann schon ruhig bleiben, wenn er herausfände, dass seine Kollegen Vampire sind? Und wer würde schon Ruhe geben, wenn eine begehrte Eigenschaft zum Greifen nahe wäre? Eigentlich niemand. Nada.

Während ich darüber nachdachte, schweiften meine Gedanken in meine eigene Vergangenheit über. Wie ich damals von den Vampiren erfuhr, meine schmerzhafte Verwandlung und wie ich mich, damals noch so blind und naiv wie ich war, zu Acel hingezogen fühlte. Wenn ich genau darüber nachdachte, keine schönen Erinnerungen...


holla la fée de la forêt – holla die Waldfee

ma petite souris – meine kleine Maus

pourqoui pas? – warum nicht?

la dame – die Dame

Mistress – veraltete Bezeichnung für eine Lehrerin, Geliebte oder Kurtisane




Bearbeiter dieser Geschichte

La rose noire (Diskussion) 15:40, 2. Feb. 2015 (CET)